Still Life
Hongkong/China 2006, Laufzeit: 108 Min., FSK 0
Regie: Jia Zhang-ke
Darsteller: Zhao Tao, Han Sanming, Wang Hong-wei, Xiang Haiyu, Li Zhubin, Lin Zhou, Ma Lizhen
Der Bergmann Han kommt nach 16 Jahren in seine Heimatstadt Fenjie zurück und hofft, dort Ex-Frau und Tochter wiederzusehen. Doch der Ort ist durch den Bau des Drei-Schluchten-Staudammes wie vom Erdboden verschwunden. Zur gleichen Zeit ist auch die Krankenschwester Shen in der völlig überfluteten Gegend auf der Suche nach ihrem Mann.
Bis auf sein frühes Meisterwerk „Platform“ (2000), das die zaghafte Aufbruchstimmung nach Maos Tod 1976 beschreibt, hat sich Jia Zhang-Ke seit seinem Spielfilmdebüt „Pickpocket“ (1997) kontinuierlich mit der gegenwärtigen Geschichte seines Heimatlandes auseinandergesetzt. Dabei gelang es dem Vertreter der sogenannten "sechsten Generation" chinesischer Filmemacher immer wieder – trotz seiner kontroversen Themen und kritischen Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Verhältnisse – die Filme durch die Zensur zu bringen. Mit „Still Life“ erreicht der international schon mehrfach preisgekrönte Regisseur nun einen weiteren Höhepunkt.
Langsam schwenkt die Kamera durch ein vollbesetztes Schiff, vorbei an Menschen, die ihrer Umsiedelung entgegenfahren: Arbeiter, die weitere Dörfer für den Stausee demontieren müssen, einheimische Touristen, die das ökologisch umstrittene Prestigeobjekt bestaunen wollen. Dann bleibt sie an dem am Heck sitzenden Han hängen, blickt noch einmal auf eine wunderschöne Landschaft, die demnächst nur noch auf den Geldscheinen zu bewundern sein wird. Fortan begleitet die Kamera unseren fast stummen Bergarbeiter auf seiner Odyssee durch eine geradezu postapokalyptisch anmutende Wohn- und Industrielandschaft, in der Arbeiter mit kleinen Hammern sisyphushaft ganzen Fabriken und Hochhäusern zu Leibe rücken.
Jia Zhang-kes von seinem langjährigen Kameramann Yu Lik-Wai kongenial umgesetzter Blick ist dabei ein dokumentarischer und poetischer zugleich. Ein Blick auch, der zwischen den Bildern den ungebremsten Kapitalismus und die Korruption im einst sozialistischen Reich der Mitte kommentiert. Da sind aber auch jene surrealen Momente, die sich im Hintergrund der Odyssee unserer beiden Protagonisten, deren Wege sich nie kreuzen, abspielen. Sie setzen, etwa wenn ein historisches Denkmal wie ein Raumschiff abhebt oder ein Seiltänzer zwischen den Bauruinen balanciert, weitere Irritationen im Kopf des Zuschauers frei. Und doch leuchtet selbst durch die schmutzigen Farben des Films immer wieder ein Hoffnungsschimmer auf, der all dem gesellschaftlichen und privaten Chaos einen zutiefst menschlichen Zug abringt.
(Rolf-Ruediger Hamacher)
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