Am 25. Mai haben die Kölner Bürger über die politische Zukunft Kölns bis 2020 entschieden. Eine vorangegangene Podiumsdiskussion zur Kölner Kulturpolitik im Kölnischen Kunstverein brachte da noch mal einige Klarheit über den Status quo und über die Chancen, die Zukunft der Kölner Kultur aktiv zu gestalten: Zunächst einmal erschienen statt der angekündigten Fraktionsspitzen Martin Börschel (SPD), Ralph Sterck (FDP) und Jörg Detjen (LINKE) unangekündigt deren kulturpolitische Vertreter Klaus Schäfer (SPD), Ulrich Wackerhagen (FDP) und Güldane Tokyürek (LINKE), neben den weiteren Kulturpolitikern Ralph Elster (CDU) und Brigitta von Bülow (GRÜNE). Chefsache scheint die Kulturpolitik in allen Fraktionen also nicht zu sein, und das ist bereits das Problem zukünftiger kulturpolitischer Entscheidungen: Die schwache Position der Kölner Kulturpolitiker in ihren Fraktionen.
Diese Schwäche scheint die kulturpolitischen Sprecher zusammenzuschweißen, und so gab es auf dem Podium statt Wahlkampf, unterschiedlicher Schwerpunkte und Visionen eine breite Allianz für eine Fortschreibung des Kölner Kulturentwicklungsplanes aus dem Jahre 2009, ungeachtet der Tatsache, dass bis zum heutigen Tag die Umsetzung fast aller Vorhaben aus dem bestehenden Plan gescheitert sind: am Veto der regierenden Fraktionen, an der Kämmerei oder den Untiefen der Verwaltungsvorgänge. Papier ist bekanntlich geduldig. Geduldig waren auch die anwesenden Künstler denen parteiübergreifend die gnadenlose Unterfinanzierung der Freien Szene bestätigt wurde, inklusive nicht hinnehmbarer prekärer, zum Teil sittenwidriger Arbeitsverhältnisse vor allem im Theater- & Tanzbereich, in denen der Durchschnittsverdienst deutlich unter 1.000 Euro im Monat angesiedelt ist.
Neben dem Vorstoß der CDU, vor allem das Kulturmarketing der Stadt verbessern zu wollen, um zusätzliche Besuchereinnahmen zu generieren, gibt es für Freunde der Kölner Theaterszene eigentlich nur zwei Lichtblicke: Die Willensbekundung aller Diskutanten, die Förderung der Freien Theaterszene künftig in einem festen prozentualen Verhältnis an die Förderung der Städtischen Bühnen koppeln zu wollen und sich für einen Erhalt der Interimsspielstätte des Schauspiels im Mülheimer Carlswerk für die Kölner Theaterszene als Ganzes einzusetzen. Auf die Forderung aus der Szene nach 10% der städtischen Bühnenförderung, was eine Verdreifachung der bisherigen Gelder bedeuten würde, wollte sich nur Ralph Elster von der CDU festlegen lassen.
Während die Freie Szene um ihre nackte Existenz ringt, wurde vom Intendanten des Kölner Schauspiels jüngst der Spielplan mit 17 Neuproduktionen für die Spielzeit 2014/15 vorgestellt: Neben den Hausregisseuren Stefan Bachmann, Angela Richter, Moritz Sostmann und Rafael Sanchez werden sich mit Sebastian Baumgarten, Robert Borgmann, Karin Neuhäuser, Christina Paulhofer und Roger Vontobel weitere prominente, überregional geschätzte Regisseure dem Kölner Publikum präsentieren. Aktuell verfestigt sich der Eindruck, dass es sich unter dem Dach der städtischen Bühnen freier produzieren, denken und leben lässt als in der sogenannten Freien Szene...
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